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4 einfache Schritte um Bildung, Arbeit und Privatleben zu vereinen

Geschrieben von Katrin Piazza, Lerncoach | 26.05.20 16:55

Wie Sie das Fernstudium leichter in einen herausfordernden Alltag packen und motiviert Ihre täglichen Ziele erreichen.

 

Susanne wirkte erschöpft. Sogar durch Kamera und Bildschirm war ihr die Müdigkeit gut anzusehen.

Familie, Beruf, Fernstudium  –  was schon im «normalen» Leben nicht leicht zu jonglieren war, wurde im «Lock down» fast unmöglich.

Wie sollte sie das tägliche Arbeitspensum schaffen?

Wie die Achtjährige beim Hausaufgabenmachen begleiten und den Dreijährigen unterhalten?

Wann studieren?

Das Studium kam im Moment zu kurz, obwohl, wie Susanne versicherte: «Ich das doch so sehr will!»

Geht es Ihnen im Moment auch so? Die Anforderungen bleiben, doch die Gewohnheiten, die uns halfen, uns zu strukturieren, sind weg.

Der Weg zur Arbeit – weg. Die Arbeitssitzungen – weg. Die Kaffeepause mit den Kolleginnen – weg.

Gerade dieses Wegbrechen der Gewohnheiten ist doppelt fatal.

Gewohnheiten strukturieren unseren Tag und helfen uns dabei, Dinge zu erledigen: «Das schaffe ich gerade noch vor der Kaffeepause!»

Gewohnheiten sind auch ein cleverer Schachzug des Gehirns, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen.

Entscheidungen fordern nämlich sehr viel Energie.

«Soll ich jetzt erst die Mails checken? Oder kurz mit dem Kollegen telefonieren? Oder räume ich erst einmal den Arbeitsplatz auf? Oder …» Puh – da wird man ja vom Zuschauen schon müde!

 

Schritt 1: Gewinnen Sie Ihre positive Einstellung zurück

«Das Studium – es fühlt sich im Moment an wie ein grosser, ständiger Vorwurf, der da in der Ecke auf dem Arbeitstisch lauert.» So beschrieb Susanne die Gefühle, die sie mit ihrem Studium verband.

In dieser anstrengenden Zeit war es das, was noch obendrauf kam an Pflichten: «Auch das noch!»

Von Susannes anfänglichen Enthusiasmus für ihr Fernstudium war nicht mehr viel zu spüren.

Aber es war wichtig für sie, sich zu überlegen, warum sie es angefangen hatte.

Aus welchen Gründen? Was hatte sie sich davon versprochen – persönlich, beruflich? Worauf hatte sie sich gefreut?

Während Susanne erzählte, hellte sich ihre Miene deutlich auf. Da war sie wieder – ihre Begeisterung, ihre Motivation.

Dieses Studium bedeutete ihr so viel. «Es hat einen wichtigen Platz in Ihrem Leben, nicht wahr?» Susanne musste gar nichts mehr antworten – es war so offensichtlich.

Wenn Sie Ihre Haltung gegenüber dem, was Sie tun ändern, ändert sich auch Ihre Stimmung.

Sie dürfen studieren. Sie dürfen sich ab und zu einen ‘Studier-Moment’ gönnen. Sie dürfen weiter an Ihrem Ziel festhalten.

 

Diese 3 Tipps helfen Ihnen, Ihre Haltung zu ändern:

 

Tipp Nr 1: Wählen Sie Ihre Worte und Gedanken sorgfältig aus.

 

Lesen Sie einmal die folgenden beiden Sätze und beobachten Sie, wie Sie sich dabei fühlen:

«Jetzt muss ich auch noch dieses ganze Kapitel im Lehrbuch verarbeiten…»

«Ich bin zwar müde, aber dieses Kapitel ist ein weiterer, wertvoller Schritt auf meinem Weg zum Ziel.»

 

Tipp Nr. 2: Visualisieren Sie Ihr Fernziel oft.

 

Sehen Sie sich in Gedanken jetzt schon in Ihrem Wunschberuf oder in ihrer Wunschposition. Baden Sie in den guten Gefühlen, die dabei aufkommen.

 

Tipp Nr. 3: Manchen hilft es, auf einem Papier das Ziel und den Weg dorthin einzuzeichnen.

 

Welche Meilensteine gibt es? Wann sollten sie erreicht sein?

Zeichnen Sie möglichst viele kleine Zwischenschritte ein. Je mehr Schritte, desto mehr Freude.

Denn Sie dürfen und sollen jedes Etappenziel ausgiebig feiern.

Wer damit wartet, bis er/sie den Abschluss in den Händen hat, hat eine sehr lange Durststrecke vor sich!

 

Schritt 2: Richten Sie bewusst gute, neue Gewohnheiten ein

Sie tun sich etwas Gutes, wenn Sie es versuchen.

Sie dürfen auch einfach ein bisschen in den Unterlagen blättern.

Oder etwas Wichtiges fünf Minuten lang repetieren, dann etwas Neues anschauen.

Machen Sie diese Stunde möglichst abwechslungsreich.

Genau wie eine Happy Hour: Mit kleinen Snacks und Häppchen, die Appetit machen auf mehr.

 

Mit diesen 3 Tipps machen Sie Ihre Studienzeit attraktiver:

 

Tipp Nr 1: Reduzieren Sie Ihre tägliche «To-Do-Liste».

 

Wer möchte schon 100 Einzelaufgaben abarbeiten? Das ist unrealistisch und unattraktiv. Besser: 3 bis maximal 5 Meilensteine des Tages aufschreiben und an diesen arbeiten.


Tipp Nr 2: Immer zur exakt gleichen Zeit studieren.

 

Richten Sie einen Reminder ein auf dem Smartphone – wenn der Wecker «ruft», setzen Sie sich hin und studieren. Damit ersparen Sie sich den mühseligen Entscheidungskrampf: «Soll ich – soll ich nicht?»

 

Tipp Nr 3: Arbeiten Sie nach dem «Nur-einmal-anfassen-Prinzip».

 

Es ist eine gute Gewohnheit, die Dinge nur einmal zu bearbeiten. Entscheiden Sie, bevor Sie beginnen, ob Sie diese Aufgabe fertig machen können.

Wenn ja – los geht’s.

Wenn nicht – stellen Sie sie zurück oder brechen Sie sie in kleinere Teilaufgaben auf.

Auf diese Weise gewöhnen Sie sich daran, Dinge zu erledigen (und bekommen zur Belohnung ein gutes Gefühl – «Yeah – erledigt!!!»)

 

Schritt 3: Schliessen Sie bewusst gute Kompromisse

In hektischen Zeiten bringen wir nicht alles unter einen Hut. Punkt.

Der Hut ist einfach zu klein –  der Tag hat nur 24 Stunden.

Wenn Sie sich ständig vorrechnen, was Sie alles nicht erreicht haben, erreichen Sie nur eines: die totale Erschöpfung.

Deshalb: Führen Sie sich lieber vor Augen, was Sie erledigt und geschafft haben.

Klopfen Sie sich hemmungslos auf die Schultern, wenn etwas gelungen ist (es sieht ja keiner – aber Ihnen tut Wertschätzung gut!).

Und dann schliessen Sie Kompromisse, die auf Ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen:

Arbeit und Studium, Sozialkontakte und Entspannung – welches sind Ihre wichtigsten Bedürfnisse? Ihre wichtigsten Ziele – langfristig?

Entscheiden Sie, was heute drankommt und was nicht.

Wenn Sie das Studium als einen Teil von Ihnen betrachten, der zu Ihnen gehört und Ihnen guttut, dann fällt es Ihnen leichter, anderes zurückzustellen.

 

Mit diesen 4 Tipps fällt es Ihnen leichter, gute Kompromisse zu schliessen:

 

Tipp Nr 1: Fragen Sie Freunde, Familie und Partner/innen, was ihrer Meinung nach bei Ihnen zu kurz kommt

Oft haben sie ein gutes Sensorium dafür. Sie opfern alles für den Beruf? Dann riskieren Sie Ihre Beziehung. Der Sport steht an erster Stelle? Dann riskieren Sie Studium oder Beruf etc.

 

Tipp Nr 2: Gewinnen Sie Klarheit über Ihre Zeit, indem Sie ein paar Tage lang Protokoll darüber führen.

 

Legen Sie vor über jede Stunde Rechenschaft ab. Viele Menschen sind verblüfft, wenn sie Schwarz auf Weiss sehen, wie viel Zeit sie mit Dingen verbringen, die ihnen eigentlich gar nicht wirklich wichtig sind.

 

Tipp Nr. 3: Handeln Sie mit Ihrem Umfeld faire Kompromisse aus:

 

«Heute verbringe ich den Abend mit Dir – morgen Abend studiere ich.»

 

Tipp Nr. 4: Hängen Sie motivierende Sprüche auf.

 

Zum Beispiel diesen von Abraham Lincoln:

Disziplin ist die Wahl zwischen dem, was du jetzt willst und dem, was du wirklich willst.

 

Schritt 4: Nutzen Sie Ihre tatsächliche Studienzeit besser, also effektiver

Die grösste Herausforderung im Home Office  – und oftmals ganz grundsätzlich im Fernstudium – ist es, Arbeits- und Freizeit sauber zu trennen.

Nicht umsonst ziehen es die meisten Menschen vor, an einem Ort zu arbeiten, wo auch andere fleissig sind  – Betriebsamkeit ist ansteckend!

Räumliche Trennung ist ebenso hilfreich: Dort wird gearbeitet – zuhause entspannen wir uns.

Im Home Office dagegen verwischen Arbeits- und Freizeit.

Nicht alle haben ein Arbeits- oder Studierzimmer, also ist schon die räumliche Trennung schwierig.

Was Sie aber tun können: Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung dafür, was Sie gerade tun: Arbeiten Sie oder «chillen» Sie?

Denn ganz oft läuft es so: Sie vertrödeln eine halbe Stunde mit Vorbereiten und Aufräumen, brüten eine Stunde lang über einem Text, den Sie schon zweimal gelesen haben, chatten mal kurz mit einer Kollegin, lachen über ein Youtube-Filmchen und beginnen dann wieder von vorn beim Text, den Sie jetzt schon zum dritten Mal lesen und der Sie zunehmend langweilt.

Am Ende Ihrer «Studienzeit» sind Sie unzufrieden mit sich. Nichts erreicht. Und, noch schlimmer: Sie sind auch nicht entspannt. Denn echte Freizeit ist dieses Hin- und Her auch nicht.

Hüten Sie also Ihre Konzentration wie ein Wachhund.

 

Hey – entscheide Dich: arbeiten oder entspannen. Beides geht nicht!»

Ein cleverer Trick ist es, die eigene «Müllzeit» zu benennen.

 

Das ist Zeit, in der nichts Wichtiges passiert, also weder Arbeit/Studium, noch echte Freizeit. 

Womit vertrödeln Sie wertvolle Minuten, ohne dass Sie etwas davon haben? Smartphone? Plaudern? Aufräumen? Putzen?

Vielen hilft es, diese unproduktive Zeit  in Gedanken klar zu benennen: «Das ist Müllzeit!»

Das Erkennen ist ein guter erster Schritt, denn erst was wir beobachten und messen können, können wir verändern.

 

Fördern Sie Ihre Effektivität mit diesen drei Tipps:

 

Tipp Nr. 1: Benennen Sie Ihre Störer und entscheiden Sie sich dafür, sie für die Dauer der Lernzeit auszuschalten.

 

Tipp Nr. 2: Befassen Sie sich mit Lerntechniken.

 

Meiner Erfahrung nach stecken gerade im Lesen ungeahnte Zeitreserven – eine gute Lesestrategie kann Wunder wirken.

Hier mein «Quick-Tipp»: Lesen Sie nie, ohne dabei etwas zu tun. Gute Leser erkennt man am Stift in der Hand.

Schreiben Sie Lernkarten, fassen Sie einen Abschnitt in eigenen Worten zusammen, gestalten Sie parallel zum Lesen ein Mindmap – seien Sie aktiv!

 

Tipp Nr. 3: Belasten Sie gegenwärtig (existentielle) Sorgen? Niemand kann studieren, während die Gedanken kreisen.

 

Sorgen sind meist sehr real – und müssen ernst genommen werden.

Aber: nicht gerade, wenn Sie studieren. Vereinbaren Sie mit Ihren Sorgen ein «Date».

Am Ende des Studiums oder des Tages befassen Sie sich damit. Sprechen Sie mit jemandem darüber oder schreiben Sie sie auf.

Es gibt sehr viele Studien, die den positiven Effekt von Sorgentagebüchern belegen. Wer sich mit seiner Angst befasst und die belastenden Gedanken formuliert, spürt oft eine deutliche Entlastung.

Einen herausfordernden Alltag mit Weiterbildung, Beruf und Familie zu bewältigen ist nicht einfach. In gewisser Weise kann das mit Jonglieren verglichen werden: Jonglieren ist schwierig und wird nicht leichter  – aber Sie werden besser darin, wenn Sie täglich üben, trainieren und dranbleiben!

 

Das wichtigste in Kürze:

 

🔹Wenn Sie Ihre Haltung gegenüber Belastungen ändern, verändert sich Ihre Stimmung. Und damit auch die Motivation.


🔹Mit guten Gewohnheiten entlasten Sie Ihr Gehirn vom zeitraubenden Entscheidungskampf. Sie erreichen viel, wenn Sie täglich wiederkehrende Gelegenheiten zum Arbeiten oder Studieren einrichten.

🔹In Krisenzeiten passt nicht alles unter einen Hut – so sehr wir uns dies auch wünschen. Gute Kompromisse nehmen Rücksicht auf wichtige Bedürfnisse.


🔹Trennen Sie Freizeit und Arbeitszeit klar. Nutzen Sie gute Lernstrategien, um in der Zeit, in der Sie studieren, wirklich effektiv zu sein.